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Ein Badegast springt in den Pool an Deck eines A-ROSA Schiffes. Im Hintergrund: der Sonnenauf- oder Untergang.

Klar zum Ändern! Digitale Barrierefreiheit in der Praxis

Eine Reise beginnt nicht erst an Bord.

Sie beginnt beim Suchen, beim Vergleichen, beim Verstehen - und beim Buchen. Und genau dort entscheidet sich, ob ein digitales Angebot wirklich für alle zugänglich ist.

Für A-ROSA Flusskreuzfahrten haben wir deren TYPO3-Website geprüft, bewertet und gezielt auf die Benutzung durch sensorisch und motorisch andersgestellte Zielgruppen optimiert.

Mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) ab Juni 2025 ist das für viele Unternehmen keine optionale Aufgabe mehr - sondern eine gesetzliche Anforderung.

Was wir geprüft haben - und warum dieser Scope zählt

Der Fokus lag nicht auf irgendwelchen Seiten, sondern auf den Bereichen mit direkter Relevanz für Orientierung und Abschluss:

-Reisedetailseiten - Inhalte, Preise, Orientierung

-Buchungs- und Anfrageformulare
- Eingaben, Hinweise, Fehlermeldungen

-Interaktive UI-Komponenten
- Tabs, Accordions, Slider, Modals

Warum dieser Fokus?
Weil Barrieren genau dort wirken, wo Nutzer:innen Entscheidungen treffen. Wer eine Kreuzfahrt buchen möchte, muss Inhalte verstehen, Formulare bedienen und Rückmeldungen interpretieren können. Wenn das nicht funktioniert, verlassen Nutzer:innen die Seite - nicht weil das Angebot nicht stimmt, sondern weil der Weg dorthin versperrt ist.

Audit: Kriterien statt Bauchgefühl

Geprüft wurde strukturiert entlang der vier WCAG-Prinzipien:

Wahrnehmbar · Bedienbar · Verständlich · Robust

Das Audit fand Optimierungspotenziale u.a. in:

-Struktur und semantischem HTML
-Kontrastverhältnissen
-Tastaturnavigation und Fokusführung
-Screenreader-Kompatibilität

Zum Einsatz kamen die Methoden und Tools WAVE, axe/Equal, Pa11y, Silktide und Lighthouse - kombiniert mit manuellen Tests über NVDA (Windows) und VoiceOver (Apple).

Automatisierte Checks allein reichen nicht. Ob ein Element tatsächlich bedienbar ist, zeigt sich erst im echten Nutzerkontext.

Drei Kern-Themen aus der Umsetzung

1. Alt-Texte:

WAS ich nicht lesen kann, kann ich nicht sehen

Eindrucksvolle Bildwelten, Grafiken und Videos sind erprobte Dreh-&Angelpunkte beim Einstieg in eine Customer Journey.
Aber nur für die Sehenden unter uns. Für alle anderen ist die Welt ein Hörspiel - und das muss konsequent umgesetzt sein. Alle relevanten Elemente sind in den Redaktions-Masken mit ALT-Eingabefeldern versehen, deskriptive KI unterstützt mit Vorschlägen zur Bildinhaltsbeschreibung - und die müssen dann im Frontend auch mit ausgegeben werden. Redaktionelle Sorgfalt nützt nichts, solange das Rendering sie ignoriert.

2. Tastaturnavigation:

Fokus sehen, Reihenfolge verstehen

Zwei Punkte fielen im Audit besonders auf: Ein fehlender oder zu schwacher Fokusindikator - und eine Tab-Reihenfolge, die aus Nutzersicht nicht nachvollziehbar war.

Beides ist kein kleines Detail. Wer eine Website ausschließlich per Tastatur bedient, braucht jederzeit eine klare Antwort auf die Fragen: Wo bin ich gerade? Und: Was kommt als nächstes?

3. Formulare:

nicht nur ausfüllbar, sondern verständlich

Formulare in Buchungsstrecken sind besonders kritisch. Nutzer:innen sind auf schrittweise Führung angewiesen. Im Audit zeigten sich Felder ohne ausreichende Beschriftung für Screenreader, fehlende Hinweise auf erwartete Eingaben und Fehlermeldungen, die nicht zur Korrektur anleiteten.

Die Optimierungen griffen auf mehreren Ebenen: saubere Label-Verknüpfungen, aussagekräftige ARIA-Attribute und klare, aktionsorientierte Fehlertexte.

Umsetzung in TYPO3

Die Optimierungen erfolgten in Fluid Templates und eigenen Content-Elementen - mit Schwerpunkt auf:

-Sauberer semantischer HTML-Ausgabe
-Stabiler Alt-Text-Übergabe aus dem Backend ins Frontend
-Fokusführung und Tastaturbedienbarkeit
-Screenreader-tauglicher Formularstruktur
-Robuster Umsetzung interaktiver Module (Tabs, Accordions, Slider, Modals)

Fazit

Barrierefreiheit zeigt sich nicht im Abschlussbericht. Sie zeigt sich im Alltag - beim Navigieren, beim Ausfüllen, beim Verstehen.

Gerade in buchungsrelevanten Bereichen entscheiden kleine Details darüber, ob Inhalte zugänglich sind oder Barrieren entstehen. Das BFSG macht diese Anforderung verbindlich. Wir helfen dabei, sie strukturiert und nachhaltig umzusetzen.

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Marek Suchowski